Froher Alltag ? Aber wie?

Eine Frage unseres Lesers Heinz Wojak aus Dettenhausen machte es deutlich: Noch immer gibt es bei Hausgemeinschaftsleitungen (HGL) in den 50 neuen Bezirken Unsicherheiten, wie sie mit den Mietern einen zünftigen sozialistischen Alltag aufziehen sollen. Auf Bitte des ND gibt der verdienstvolle HGL-Vorsitzende Hans-Jürgen Görner aus Karl-Marx-Stadt wertvolle Anregungen. Hier der Tagesablauf in seiner Großplattensiedlung "Fritz Heckert":

5:00 Uhr: Wecken durch den FDJ-Fanfarenzug der EOS

5:30 Uhr: Gemeinsame Frühgymnastik unter Leitung des HGL-Sportwarts

6:00 Uhr: Indiv. Frühstück (Burger-Knäckebrot mit Marmelade) und Abhören der Frühnachrichten von Radio DDR. Zustimmung zur Politik der SED durch Kopfnicken (mehrfach)

6:45 Uhr: Gemeinsamer Gesang der Nationalhymne, danach Aufbruch der Staatsbürger in Krippen, Kindergärten, Schulen, Büros, Werk- und Kaufhallen, Rinderoffenställe und Wismut-Schächte

18:00 Uhr: Rückkehr der Werktätigen in ihren individuellen Wohnbereich

18:10 Uhr: Parteilehrjahr bzw. Presseschau im Klubraum (ehem. Heizungskeller) für alle Bürger ab 14 Jahren

19:30 Uhr: Indiv. Fernsehempfang der "Aktuellen Kamera" mit stichprobenartigen Besuchen durch Genossen der Wohnparteiorganisation. Zustimmung zur Politik der SED durch Einnicken (kurz)

20:15 Uhr: Lichtbildervorträge im Klub: "Die Frida-Hockauf-Methode"; im Wohngebiet", "Der Eiweißgehalt der Makrelen" u.ä. (Vier Besuche im Monat sind Pflicht.)

21:30 Uhr: Klassik zur Nacht: Lesen aus "Das Kapital" (von Marx), "Was tun?" (von Lenin) oder "Neues Deutschland" (von uns)

21:45 Uhr: Zimmerreinigung und Vorbereitung auf die Nachtruhe (Fenster schließen!)

22:00 Uhr: Licht löschen durch den Energiebeauftragten des Hauses am Hauptschalter

22:05 Uhr: Versiegeln der Haustür durch den Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei