Beelitz (ADN). Aus Anlass des bevorstehenden 10. Jahrestages der sozialistischen Wende werden mit Johannes Rau, Joseph Fischer und Jürgen Möllemann die ersten Insassen des Umerziehungslagers Beelitz vorzeitig entlassen. Die drei ehemaligen BRD-Politiker gehörten gleich nach der sozialistischen Wende im Jahre 1990 zur Erstbelegung des Lagers in der Nähe von Berlin, Hauptstadt der DDR.

Grund für die Begnadigung seien die enorme Lernfähigkeit der einstigen Politverbrecher und ihr überzeugender Gesinnungswandel gewesen, erklärte Lagerleiter Ottokar Domma. So habe sich Möllemann schon nach zwei Wochen Haft darum beworben, in der Freizeit marxistische Häftlingszirkel bzw. die "Schule der sozialistischen Arbeit" zu leiten. Fischer sei als Fahrer des Lagerleiters durch großen Diensteifer aufgefallen,habe sich rasch in das Wesen der sozialistischen Rechtspflege eingearbeitet und seinem Chef wichtige Hinweise für die Umerziehung seiner einstigen Spießgesellen geben können. Bei Rau schließlich sei das Engagement für die "Kirche im Sozialismus" hervorzuheben; in seinen zu Herzen gehenden Sonntagspredigten habe er nicht nur eigene Sünden bekannt, sondern auch die Schuld aller seiner Mitgefangenen sehr detailliert zu Protokoll gegeben und die "Beelitzer" zur Einkehr und zur Sühne aufgefordert, also zum Einsatz für die gerechteste Sache der Welt für die DDR. Obwohl sie von ihren früheren Parteifreunden dafür gelegentlich geschnitten, beschimpft oder sogar mißhandelt wurden, haben die drei jetzt Begnadigten unbeirrt an ihren neuen Überzeugungen festgehalten. In einer repräsentativen Umfrage unter Bürgern in den 50 neuen Bezirken der DDR befürworteten 82 Prozent der Befragten eine Amnestie unter der Bedingung, dass die Entlassenen zur Bewährung in die sozialistische Produktion kommen, damit sie ihre Verfehlungen wiedergutmachen können. 13 Prozent waren dagegen, fünf Prozent antworteten ' "Weiß nicht" oder "Schwarz auch nicht". Die SDAG Wismut erklärte sich bereit, 50 Entlassenen unter Tage eine Chance zu geben.